«…ich konnte auf der Orgel, der riesen Orgel spielen.»

* 26. Februar 2006: «Ich gehe mit Papa nach Bern in die Pauluskirche in der Länggass. Dort trafen wir Ursula Heim, eine Organistin. Da ich Orgel spielen will, zeigte sie mir einige Sachen und ich konnte auf der Orgel, der riesen Orgel spielen. Ich werde bei ihr Orgelstunden nehmen.»

Liebe Paulusgemeinde
Ursula Heim und die Orgel begleiteten mich seit jenem Zeitpunkt ohne Unterlass. Das Feuer war entfacht. Ich besass eine Aufnahme des Musikalischen Opfers, auf der die beiden Ricercare mit einer Truhenorgel gespielt wurden. Diese Aufnahme weckte mein Interesse für dieses Instrument. Ich hatte Klavierstunden an der Fellenbergstrasse, vis-à-vis der Pauluskirche, und meine damalige Klavierlehrerin ermutigte mich, Ursula Heim anzurufen.

Auf dem Pfarrerpodest stehen
* 20. März 2006: «Nach der Klavierstunde ging ich in die gegenüberliegende Kirche, wo Frau Heim auf mich wartete. Wir machten einen Durchgang durch die Kirche und sie zeigte mir viele Räume, Details, die einem nicht auffallen, und ich konnte auch auf dem Pfarrerpodest stehen. Danach ging’s eigentlich richtig los mit dem Orgelunterricht. Als der fertig war hörte ich ihr noch beim Üben zu.»

Kuhn-Orgel in Oberbalm
In Oberbalm, einem Dorf zwischen Riggisberg, Schwarzenburg und Niedermuhlern, wo ich mit meiner Familie bis 2010 lebte, konnte ich in der Dorfkirche an der Kuhn-Orgel von 1930 üben. Dies aus eigenem Antrieb, oft und gerne, auch wenn der Weg zur Kirche nicht immer angenehm war. Gerade im Winter, wenn die Strassen verschneit und mit dem Fahrrad schlecht befahrbar waren. Wenn es dunkel war, ängstigte mich gelegentlich auch der Friedhof neben der Kirche.

Zum ersten Mal einen Gottesdienst begleiten
* 18. März 2007: «Ich begleite das erste Mal einen Gottesdienst. Es ist eine tolle Erfahrung. Und die Predigt hat mir sehr gefallen. Dann können alle Leute im Gemeindehaus etwas trinken gehen. Es ist sehr gemütlich. Wir reden mit Frau Heim etwas über die Zukunft, denn ich möchte Organist werden.»
Meine Eltern und Ursula Heim unterstützen mein Vorhaben und so begann ich mit den Vorbereitungen auf
mein Studium.

Lee mit 13 Der 14-jährige Lee Stalder an der Orgel.

Orgelneubau in der Pauluskirche
2009, kurz vor meiner Zulassungsprüfung, konnte ich den Orgelneubau in der Pauluskirche miterleben. Es hat für mich eine besondere Symbolik, dass ich mein Studium zusammen mit der Fertigstellung der neuen Orgel beginnen konnte. Ich kenne dieses Instrument seit seiner ersten Stunde und bin noch immer dankbar, dass ich meine Studienzeit und nun den Berufsalltag an diesem wunderbaren Instrument verbringen kann.

Nichts Routiniertes
* 13. April 2008: «Ich habe wieder einen Gottesdienst zu spielen. Es wird langsam zur Routine.»
Das war ein Irrtum. Meine neue Stelle hier an der Pauluskirche stellt mich vor grosse, aber schöne Herausforderungen, welche nichts Routiniertes an sich haben. Mein oberstes Ziel ist es, das hohe Niveau und die Beliebtheit der Paulusmusik zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Musik im Gottesdienst und die Konzerte mit Orgel und Chor sind wichtige Bestandteile der Gemeinde und der Kultur im Quartier.

Lee heute

Am Karfreitag, dem 14. April um 17 Uhr findet das erste Konzert des Pauluschors unter neuer Leitung mit Musik von Bach und Brahms statt.

Ich lade Sie herzlich dazu ein, sich selbst zu überzeugen, dass die Paulusmusik weiterhin einen lebendigen Musikbetrieb verkörpert.

Lee Stalder, Kantor

Paulusmusik: Karfreitagskonzert
Karfreitag, 14. April, 17 Uhr, Pauluskirche
J. Brahms Sämtliche Orgelwerke, J.S. Bach «Die vierstimmigen Sätze zu den Choralvorspielen».
Mit Lee Stalder, Orgel, PaulusChor unter der Leitung von Ursula Heim, Andreas Marti, Truhenorgel.
Johannes Brahms komponierte ein Jahr vor seinem Tod elf Choralvorspiele für die Orgel. Inhaltlich drehen sich die Choräle um das Thema Tod, Sterben und Vergänglichkeit. Brahms komponierte darüber feine, eindringliche Musik, welche uns auf eine Reise nach innen mitnimmt. Für fast alle Choräle gibt es vierstimmige Chorsätze von Johann Sebastian Bach. Der PaulusChor singt diese im Wechsel mit dem Spiel der Orgel. Daraus entsteht eine musikalische Einheit, welche zwischen Emotionalität und Rationalität schwebt.

(bearbeitet: 28. März 2017 / kf)